Tübinger Mikroskopischer Stammtisch (TMS)

Beim wöchentlichen „Mikroskopier-Stammtisch“ sitzen wir virtuell per Internet-Meeting (ZOOM) zusammen, immer Sonntags ab 10 Uhr. Die Zugangsmodalitäten werden rechtzeitig per E-Mail an die Mitglieder verschickt. Gäste sind willkommen bitte →Kontakt aufnehmen.

Wir freuen uns, wenn Teilnehmer Themen beisteuern können. Das kann spontan erfolgen oder man meldet sie vorab bei →Alfons Renz an.


16. Mai 2021
  • Olaf Medenbach stellt A. Oschatz vor,  einen frühen Hersteller von mineralogischen Präparaten und Instrumenten. Oschatz‘ Dünnschliffpräparate sind von höchster Güte. Olaf Medenbach hat aus einem Nachlass die älteste Sammlung (1851) von Oschatz erhalten, drei Kästchen, ein wahrer Schatz.
    Olaf Medenbach ist sehr daran interessiert, ob weitere Präparate von Oschatz existieren bzw. ob es Informationen dazu gibt. Zum Vortrag → Die Präparate von A. F. Oschatz – Pionier der Dünnschliffherstellung
  • Anne Gleich hat sich mit der Färbung von Pantoffeltierchen beschäftigt. Dazu werden die Tierchen mit angefärbter Hefe gefüttert. Detaillierte Beschreibung und tolle Aufnahmen in der Bildergalerie.
    Versuche mit den einfach zu beschaffenden und ungiftigen Färbemitteln ‚Rote Bete‘ oder ‚Rotkohl‘ wären noch zu machen.
  • Ein Augenflagellat als Verwandlungskünstler: Astasia klebsii (oder auch eine andere Art) aus dem Bodengrund von Horsts Aquarium.

Ein Augenflagellat, vermutlich Astasia klebsii, als Verwandlungskünstler:

9. Mai 2021
  • Maik Guwak gibt uns einen Überblick über die Flechten und beschreibt Bestimmungsmethoden. Bestimmungen aufgrund des Erscheinungsbildes sind nahezu unmöglich. Eine Voraussetzung für eine gewisse Einordnung ist die Tropfenmethode: Man prüfe jeweils mit den drei Agenzien C, K und P, ob eine Farbreaktion stattfindet, wenn ja, auf welche Farbe. Es ist C = gesättigte Chlorkalklösung DanKlorix blaue Flasche, K = Kalilauge 10%, P = Paraphenylendiamin in Alkohol gelöst. Mit diesen Angaben, des weiteren mit der Flechtenform, des Fundorts und der Meereshöhe kann man der Familie, Gattung oder Art näherkommen.
    Mike empfiehlt u. a. diese Bücher: „Flechtenflora von Südwestdeutschland“ von Karl Bertsch, „Flechtenflora von Nordwestdeutschland“ von C.F.E. Erichsen, „Kalkflechten der schwäbischen Alb“ von Felix Schumm, „Die Strauch- und Laubflechten“ von Josef Anders. Die in älterer Literatur angegebenen Flechtennamen sind oft nicht mehr aktuell, man findet dann die Richtigen immer unter →  http://www.indexfungorum.org/names/names.asp
  • Horst Fries suchte nach Konjugationen von Spirogyra-Algen, hat aber keine gefunden. Dafür hat er vom Algengewirr eine „tiefsinnige“ 3D-Ansicht erstellt (Rot-Cyan).
    Ein weiteres Bild zeigt zwei aneinander liegende Zellen eines Fadens, die unterschiedliche Gangweite der Spirale und links einen Dreifachstrang, rechts einen Einfachstrang aufweisen. Diese Kriterien taugen also nicht zur Artbestimmung.
    Gerd Schneider hakte ein, er hatte nämlich letzte Woche ein Zufallsfund gemacht: Eine Spirogyra-Watte aus einer schon etwas eintrockenenden Randpfütze an einem Waldweg, mit Konjugationen dieser Jochalgen (siehe Bildergallerie).
  • Ein mariner Raupenhüpferling aus einem Meerwasseraquarium und vielleicht die zugehörigen Nauplien. Gefunden auf einer Drahtalge Chaetomorpha linum. (Horst Fries)
  • Skelettmuskel als Diffraktionsgitter (Alfons Renz). Siehe die Bildergallerie.
  • Der Generationenzyklus von Babesia– und Theileria-Parasiten in Zecken und Zwischenwirten. Ein Vortrag von Alfons Renz → Zecken, Überträger von Babesia- und Theileria-Parasiten
  • Günther Dorn zeigte, wie man mit einfachsten Mitteln einen sparsamen Einsatz von Färbemitteln erreichen kann.  Ausführlich hier → Minimalfarbstoffverbrauch bei Färbungen
  • Es werde Licht unterm Mikroskop! Früher nicht so einfach und bequem, heute erscheinen die Methoden kurios. Leider sind viele Geräte nicht mehr erhalten geblieben. → Mikroskop-Beleuchtungen – historische und kuriose. (Alfons Renz)
  • Ein sonderbarer Stein, gefunden von Manfred Erb am Rand der Schwäbischen Alb.  Früher Meeresgestade, daher Muschel- und andere Bruchstücke zu sehen. Auf der anderen Seite sieht es aus, als ob sich ein kleiner Saurier mit einer Fußspur verewigt hätte. Kaum zu glauben, aber doch möglich, denn in der Paläontologischen Sammlung der Uni Tübinger gibt es einen ähnlichen Stein mit dem Trittsiegel eines Handtiers Chirotherium, ein Vorfahr der Saurier.
2. Mai 2021 – mit enormer Themenvielfalt
  • Über den gestrigen Besuch am Kirchentellinsfurter Baggersee und dessen Lebewelt. Grüne Fadenalgen und wenig Interessantes. (Alfons Renz und Harald Fischer)
  • Sonnendurchgang der ISS-Raumstation. Phantastische Aufnahmen von Christoph Hebestreit! Etwa um die Mittagszeit aufgenommen, so dass der Abstand zur ISS nur etwas 560 km betrug. Der Sonnendurchgang dauerte 0,8 sec.
  • Das Saugen der Milben. Z. B. Arrenurus-Milbenlarven an Anopheles-Larven. (Alfons Renz). Siehe auch den Stammtisch der Vorwoche → Tübinger Mikroskopischer Stammtisch (März bis April)
  • Aedes japonicus als neue Stechmückenart in Lustnau. Sie hat die heimischen Culiciden schon fast vollständig verdrängt! Als Grund kann man annehmen, dass die agressiveren japonicus-Larven die jungen einheimischen Larven dezimieren. (Alfons Renz)
  • Den Bau eines Horizontal-Mikroskops und entsprechender Mikroaquarien von Will Latz.
    Tipp von Barbara: Wer nicht basteln möchte, für den gibt es kleine Fotoaquarien im Handel. z. B. hier → shrimp-shop.de/de/Fotobecken-10x5x10cm.html
    Und noch einfacher: Günther hatte mal mit verschieden-dicken U-förmig geformten Silikon-Schläuchen und zwei einfachen Glasplatten, zusammengehalten durch 2 Gummiringe (oben und unten) einfachste, dichte 1-20 mm Küvetten erstellt.
  • Die motorische Endplatte der Nerven auf den Muskelzellen der Bärtierchen (Hans-Jürgen Lang). Färbung mit Silbernitrat.
  • Tricks beim Erlernen des Kreuzblicks zum stereoskopischen Sehen von Heribert Cypionka, ausführlich → Stacking, 3D-Darstellung und mehr mit PICOLAY
  • Eine Wasserprobe von der Zaininger Hülbe auf der Schwäbischen Alb (Manfred Erb). Der Dorfweiher ist durch einen schmalen Vulkanschlot entstanden. Die Bezeichnungen ‚Hüle‘ oder ‚Hülbe‘ sind auf der Schwäbischen Alb verbreitet.
  • Babesien als neuartige Blutparasiten bei Hunden (Michael Lippert). Die Malaria-ähnlichen Parasiten (Babesia canis) werden durch Zecken, z. B. die Auwaldzecke, übertragen und verursachen eine schlimme Anämie. Weiteres über Babesien → Zecken, Überträger von Babesia- und Theileria-Parasiten
  • Kohlebogenlampen als Mikroskopbeleuchtung → Mikroskop-Beleuchtungen – historische und kuriose. (Alfons Renz)
  • 40 Teilnehmer!

Die bisherigen Tübinger Mikroskopischen Stammtische (TMS) und Beiträge hieraus: