o. Prof. emer. Dr. med. Helmut Haselmann Hon.F.R.M.S.

  • Geboren am 4. Oktober 1917 in Mannheim
  • 1939-1945 Studium der Elektrotechnik (Danzig) und Medizin
    (Würzburg u. Heidelberg)
  • 1950 Habilitation (Anatomie) in Heidelberg
  • 1951 Prosektor am dortigen Anatomischen Institut
  • 1954-63 Lehrauftrag „Wissenschaftliche Mikroskopie u. Mikrophotographie“
  • 1956 apl. Professor in Heidelberg
  • 1956-63 Wiss. Mitarbeiter bei CARL ZEISS, Oberkochen
    (Leitung: Dr. K. Michel),
    Durchführung d. Göttinger Kurses „Einführung in die Mikrophotographie“ bis 1964
  • 1963 Extraordinariat für Wissenschaftliche Mikroskopie an d. Med. Fakultät d. Univ. Tübingen und 1966 Ernennung zum ordentlichen Professor
  • 1977-1982: Prodekan u. Dekan d. Med. Fakultät (Theor. Med.)
  • 1983 Emeritierung
  • Gestorben am 15. April 2009 in Tübingen

Nach dem Abitur und einem fast 3-jährigem Arbeits- und Militärdienst sowie einem halbjährigen Werk-Praktikum bei Brown, Boveri & Cie. in Mannheim-Käfertal hatte Helmut Haselmann kaum das Studium der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule in Danzig begonnen, als der Zweite Weltkrieg ausbrach und er zum Polenfeldzug und zur Nachrichten-Ersatztruppe eingezogen wurde.

Erst Anfang Februar konnte er schließlich mit dem Studium der Medizin in Heidelberg und Würzburg beginnen, das er im März 1945 mit dem Medizinischen Staatsexamen und Promotion abschloss.

Schon früh übernahm er mit Vorlesungspflichten und wurde mit der Leitung des Präparierkurses betraut. Sein Lehrauftrag „Wissenschaftliche Mikroskopie und Mikrophotographie“ lässt seine spezifische Neigung an einer Kombination von Mikroskopie, Technik und Photographie erkennen, einer Orientierung, der er fortan treu blieb. So wurde auch Kurt Michel auf ihn aufmerksam und konnte ihn zum Wechsel in die Firma CARL ZEISS gewinnen.

Haselmann verkörpert damit die schon auf den Firmengründer zurückgehende Tradition, erfahrene Wissenschaftler aus der Forschung in den Entwicklungsprozess neuer mikroskopischer Techniken zu involvieren.

Während seiner Zeit bei Zeiss war er maßgeblich beteiligt an der Weiterentwicklung der mikrophotographischen Aufsetzkamera, der Neuentwicklung des ersten industriell produzierten Fernsehmikroskops, am Bau der serienmäßigen, erheblich erweiterten Ausführung des Abbe’schen Diffraktionsapparats und gab wesentliche Anregung zum Bau des 60x PLANAPO-Immersionsobjektivs, das – gegen alle Befürchtungen und trotz eines astronomischen Preises – als bevorzugtes Spitzenobjektiv nicht nur bei Pathologen eine weite Verbreitung fand.

Wie in Heidelberg, so übernahm er auch in Göttingen die Leitung des von CARL ZEISS regelmäßig zweimal jährlich durchgeführten Kursus „Einführung in die Mikrophotographie“ von 1956 bis 1964.

Um diese Förderung einer Kombination von Forschung, Praxis und Lehre ging es auch, als auf Empfehlung des Wissenschaftsrats in Stuttgart ein Institut für Wissenschaftliche Mikroskopie in Tübingen eingerichtet wurde, als dessen Direktor er 1963 berufen wurde.

Die von 1964 bis 1989 halbjährlich abgehaltenen ‚Tübinger Mikroskopierkurse‘ haben Generationen von Mikroskopikern zusammengebracht und geprägt. Mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern Prof. Fritz Habermalz und Dipl. phys. Joachim Rienitz, beide später Mitglieder unserer Gesellschaft, konzentrierte sich sein Institut auf die Methoden der Mikrophotographie und die physikalischen Grundlagen der Lichtmikroskopie. Dazu zählten die Weiterentwicklung des Apertometers und eines ‚Miniapertometers‘. Ebenso wie der von ihm erfundene Milchglaswürfel kamen diese Instrumente als didaktische Hilfsmittel in seinen Kursen zum Einsatz, zusammen mit einer ganzen Reihe genial einfacher Demonstrationsobjekte, mit denen er die Prinzipien der Bildentstehung und optischen Vergrößerung wirkungsvoll präsentieren konnte und die noch heute ihren Einsatz in unseren Kursen finden.

Mit seiner Emeritierung war auch das Ende seines Instituts besiegelt. Niemand an der Medizinischen Fakultät konnte damals die gewaltige Entwicklung erahnen, die sich aus der Verbindung von digitaler Technik, Fluoreszenz und elektronischer Automatisierung als neue Chance für die physikalisch schon als erschöpfend erforscht erachtete Lichtmikroskopie auftat.

Zumindest die Tradition der Tübinger Mikroskopierkurse wird seit 2003 durch die jährlich abgehaltenen Fortbildungsveranstaltungen der Tübinger Mikroskopischen Gesellschaft wiederbelebt.

Prof. Haselmann wurden zu Lebzeiten viele Ehrungen zuteil, unter anderem die Ernennung zum „Honorary Fellow of the Royal Microscopical Society“, London (1982), die Verleihung der Würde eines „Civis honoris causa congressionis familiarum Universitatis Medicinae Quinqueeclesiensis“ durch die Medizinische Universität Pécs, Ungarn, und die Ehrenmitgliedschaft der Tübinger Mikroskopischen Gesellschaft. (2007)

Wir haben mit Professor Haselmann einen hochgeschätzten Berater und Unterstützer in vielen Bereichen der Mikroskopie verloren und trauern um einen stets zuvorkommenden und hilfsbereiten Kollegen. Seine Erfahrung und sein auf eigener Erfahrung beruhendes Wissen um mehr als ein halbes Jahrhundert Mikroskopiegeschichte sind unersetzlich. Die Wissenschaft verliert mit ihm den einzigen Lehrstuhlinhaber einer Professur für wissenschaftliche Mikroskopie an einer deutschen medizinischen Fakultät.

Dr. Alfons Renz, Tübinger Mikroskopische Gesellschaft

Manfred P. Kage ( Leben und Werk)

(geboren 1935 in Delitzsch) gehörte weltweit zu den herausragenden Persönlichkeiten der künstlerischen und professionellen Mikrofotografie.

Kage wird mit seinen verschiedenen Tätigkeits- und Interessensbereichen sowie Erfindungen als Visionär, Pionier und zu seinen Lebzeiten als eines der wenigen noch lebenden „Allroundgenies“ beschrieben.

In seinem speziellen Arbeitsbereich, der Synthese aus Wissenschaft und Kunst, sowie der Multimedia- sowie Videokunst hat er frühe und sehr wichtige Leistungen erbracht sowie bahnbrechende Erfindungen und Innovationen kreiert. Kage wird daher auf diesen Gebieten als einer der weltweit wichtigsten Pioniere und als renommierter Künstler genannt.

Kage erzählte von dem Moment, als er als Achtjähriger während der Kriegszeit zum ersten Mal durch ein Mikroskop schaute: „Dass die Dinge nicht so sind, wie sie erscheinen, war für mich damals eine Erleuchtung, es war als hätte sich die Tür zu einer geheimnisvollen Welt geöffnet – zu einem Universum, das Stufe um Stufe erkunden und Einsichten gewinnen kann.

Nach einer Ausbildung zum Chemieingenieur im renommierten Institut Dr. Flad in Stuttgart, bei dem er später einen Lehrauftrag erhielt, dem Besuch der Kunstschule der Künstlerin Christa Moering in Wiesbaden und einer Ausbildungsklasse der Hölzel´schen Farblehre erkannte Manfred P. Kage bereits in der 1950er Jahren die Möglichkeit, der Nutzung ästhetischer Elemente der Mikrofotografie zur Erzeugung von „Kunstformen“.

Mit innovativen Techniken zur Darstellung in der künstlerischen Fotografie sowie der Multimedia- und Videokunst, drang er seit 1956 in neue visuelle Sehwelten vor und erreichte bei seinen mikrofotografischen und apparativen Kunstwerken eine Ästhetik ganz eigener Dimension.

In der Darstellung der Komplexität der Wunder der Natur, insbesondere ihrer Schönheit und ihrer Sensibilität, der Visualisierung des Unsichtbaren sowie der fotografischen Betrachtung intelligenten Designs sah Kage eine fantastische Herausforderung.

Systematisch und empirisch bearbeitete er daher das Übergangsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst.

Kages Bestreben war es, nicht ausschließlich ein reines Abbild wissenschaftlichen Inhalts zu erschaffen, er wollte die Grenzen des Denkbaren sprengen, mutig in neue Wissensbereiche vordringen und verborgene Welten in all ihrer Schönheit den Betrachtern durch seine Werke näher bringen. Er eröffnet ihnen die enge Verbindung der Menschen zur Mikrowelt und den Platz dessen in einem größeren System.

Mit dieser Vision manifestiert er seine Interpretation der Synthese aus Wissenschaft und Kunst.

Kage präsentierte seit 1957 seine Werke im Kontext zur subjektiven Fotografie und apparativen Kunst in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen, Performances und Multimediaevents (z.B. bei den Olympischen Spielen, im Museum of Modern Art in New York, im ZKM Karlsruhe, auf der Biennale, der EXPO und der ars electronica).

Durch Manfred P. Kages 1957 gemachte Erfindung des „Polychromators“, einer Art optischen Synthesizers, gelangen ihm brillante vielfarbige Bildwerke, die er „Polychromatische Variationen“ nannte.

Diese spezielle künstlerische Linie entwickelte Kage später ab 2006 zu der „Polychromatischen [R]Evolution“ weiter.

1959 gründete Manfred P. Kage sein „Institut für wissenschaftliche Fotografie und Kinematografie“ in Winnenden bei Stuttgart (heute KAGE Mikrofotografie GbR, Schloss Weißenstein, Lauterstein).

Otto Steinert bat Kage in den 1960er Jahren an der Folkwangschule in Essen ein einwöchiges Seminar über experimentelle Fotografie zu halten.

1960 und 1961 arbeitete Kage als Theaterfotograf am Theater der Altstadt in Stuttgart in enger Kooperation mit dem Ehepaar Heydenreich. Hier entwickelte Kage multimediale Bühnenbilder (u.a. Entwicklung eines speziellen Überblendprojektors), welche als eine der wichtigsten Initialzündungen und Urform seines „Optischen Konzertes“ zu sehen sind.

1960 bis 64 war Kage Gasthörer bei Max Bense und entwickelte auf dessen Wunsch hin gemeinsam mit seinem Sohn Georg Bense die Grundlagen für einen Experimentalfilm.

Ab den 1960er Jahren entstanden künstlerische Filme wie „Die Feder – Ein Wunderwerk der Natur“, ein 35mm-Film, für den Kage eine Zoomfahrt 1:200 entwickelte, „Astropoetikon“ mit Herbert W. Franke sowie der Film „Impressions de la Haute Mongolie“ von Salvador Dalí (Regie: J. Montes-Baquer, Spezialeffekte und Mikroaufnahmen in Film und Bild: Manfred P. Kage).

Des Weiteren entwickelte Kage Spezialeffekte für Science-Fiction-Filme wie „Das Gespinst“ und „Stimmen der Sylphiden“ (Drehbücher: H. W. Franke) oder „Solaris“ von M. P. Kage und B. Kessler zu Ehren Stanislav Lems.

Seit 1961 beteiligte Kage sich als ZERO-Künstler an Ausstellungen, Performances und Multimediapräsentationen.

So entwarf er beispielsweise bereits 1961 sein Manifest „Zur Realisation des optischen Konzerts“. Intention Kages war es Naturvorgänge im Mikrobereich durch einen von ihm entwickelten „Optischen Synthesizer“ in einer ästhetisch-künstlerischen Performance zu präsentieren. Hiermit ermöglichte er den Zuschauern die sinnliche Wahrnehmung seiner Raum-Zeit-Dimensionen in das phänomenologische Bewusstsein.

Dies realisierte Kage u.a. mit selbstgebauten einzigartigen Projektoren, eigens für ihn gebauten Videosynthesizern sowie Film- und Fotoaufnahmen von mikroskopischen Strukturen. Diese Elemente, welche oftmals in Verbindung mit einer von Kage entwickelten achtkanaligen Lichtorgel gezeigt wurden, konnten schon damals in Echtzeit und interaktiv wie eine Art Piano-Klaviatur durch Kage abgespielt werden.

In fantastisch anmutenden Multimediaevents ließ er den Mikro-, Meso- und Makrokosmos miteinander verschmelzen und zeigte damit das „Wirken des kosmischen Designs von den Grenzen der kosmischen Materie über die unglaubliche Vielfalt der Mikrostrukturen in den galaktischen Transwelten“.

Oft stand in diesem Zusammenhang das Mikroskop im Zentrum der Rätsel des Lebendigen, welches in unterschiedlichster Weise die Grenze der Größendimensionen überwinden kann.

Manfred P. Kages „Optisches Konzert“ wird heutzutage in moderner Umsetzung als medialer, abstrakter Lichtraum oder Großprojektion an Kuppeldächer, in Naturräumen und architektonischen Bauten durch die Familie Kage (Künstlerkollektiv „K4i“) meist als synästhetische interaktive Performance mit Livemusik unterschiedlicher Musikkünstler präsentiert. Die ursprüngliche Idee Manfred P. Kages die optischen Effekte live und in Echtzeit wie eine Art Klaviatur zu spielen ist auch heute zentraler Bestandteil der Performance.

Historische analoge Effekte aus dem Mikrobereich und Aufnahmen der historischen Selbstbauprojektoren Kages werden mit neu erstellten HD- und 4-K-Mikroaufnahmen (z.B. von kristallinen Strukturen) und speziellen, selbst gestalteten digitalen Effekten (welche meist auf den historischen Effektprojektoren und Mikroaufnahmen Manfred P Kages basieren) zu einem abstrakten und dennoch realen Farbenrausch-Konzert „Gestern-Heute-Morgen“ kombiniert. Auf diese Weise eröffnen sich den Betrachtern erstaunliche Sehwelten, welche die unterschiedlichsten Dimensionen und Wirklichkeiten in Raum, Materie und Zeit miteinander verschmelzen lassen.

Das heutige „Optische Konzert“ wurde unter anderem im Lichthof des Martin Gropiusbaus 2015 während einer Performancenacht der Gruppe ZERO zur Livemusik an der sogenannten „Mondscheibe“ des Künstlers Heinz Mack gezeigt.

Manfred P. Kage erhielt 1964 im Kunstgewerbemuseum in Zürich als erster Künstler weltweit die Möglichkeit, seine kristalloptischen Kunstwerke Quadratmeter groß auf der ersten von Ciba entwickelten Cilchrome-Print-Emulsion zu präsentieren. Diese Werke befinden sich heute zusammen mit weiteren „Vintagewerken“ in der künstlerischen Sammlung der Familie Kage.

1965 folgte Kages bahnbrechende Erfindung, das „Audioskop“, ein Gerät mit dem Musik live auf eine spezielle Art Quadratmeter groß farbig sichtbar gemacht wird. Es wurde u.a. 1970 auf der Weltausstellung in Osaka (EXPO 70) und 1979 auf der ars electronica vorgeführt. Innerhalb der Weltausstellung in Osaka erhielt Kage die Ehrenurkunde für die Präsentation des Audioskopes.

Der Bau eines 4-Kanal-Tonbandes für die Diaprojektor-Steuerung 1964, von Kage ab 1967 entwickelte Repro-Kaleidoskope für die Mikrofotografie (oftmals von Kage als Symbol der Trans-Dimensionen innerhalb seiner Multimediaevents gezeigt, „Mandalas Kristalliner Materie“), die experimentelle Arbeit mit Oszillogrammen, die Erfindung einer achtkanaligen Lichtorgel für den von Kage erdachten Großevent als octophonisches Konzert mit Laser im Tal von Weißenstein (BW) „Musik für eine Landschaft“ 1973 (Vorgänger der „Linzer Klangwolke“, Zusammenarbeit mit Walter Haupt, Musik) ergänzten seine künstlerische Arbeit im Bereich der Video- und Multimediakunst.

Ab den 1970er Jahren folgte in diesen Bereichen eine Zusammenarbeit mit Richard Monkhouse und die Entwicklung sowie Weiterentwicklungen von Video-Synthesizern (z.B. Videosizer L1).

In diesem Zusammenhang sind beispielsweise der gemeinsame Event „Experimente“ von Kage und Monkhouse in Baden-Baden zu nennen, bei dem auch der Videosizer „Spektron“ gezeigt wurde und der gemeinsam produzierte Film „Das Mondband“.

Innerhalb einer Gruppen- und Wanderausstellung des Goetheinstituts „Videokunst in Deutschland – 1963-1982“ (Kurator: Wulf Herzogenrath) wurden spezielle Video- und Multimediaeffekte sowie Videoinstallationen Kages 1982 weltweit präsentiert.

1992 richtete Kage ein Multimediakonzert für die Einweihungsfeier der Hochschule für Gestaltung und 1993 für die Multimediale III im ZKM in Karlsruhe aus.

Die Ausstellung „hier (und) in den 70ern – Kulturelle Institutionen und ihre Protagonisten in Esslingen und Umgebung“ würdigte Manfred P. Kage in der Villa Merkel in Esslingen (Kurator: Christian Gögger) als Pionier der Video- und Multimediakunst.

Manfred P. Kage zeigte 1966 seine Werke in der Werkkunstschule Bielefeld zusammen mit dem Bielefelder Grafiker und Fotograf Carl Strüwe (Kurator: Prof. Gottfried Jäger). Im Zusammenhang mit der „Apparativen Kunst“ und „Generativen Fotografie“ folgten mit Prof. Gottfried Jäger und verschiedensten Künstlern dieser künstlerischen Stilrichtung unterschiedliche Ausstellungen und Events.

1966 hatte Kage die Idee zu den Begriffen „Modern Science Art“ und „Science Art“, welche er zusammen mit seinem Freund Prof. Herbert W. Franke für seine Kunst prägte. Als künstlerische Avantgarde zeigten beide Künstler ihre Werke gemeinsam unter dem Begriff „Science Art“ beispielsweise auf der ars electronica und zahlreichen anderen Events und Ausstellungen.

1974 ersann Kage weiterhin die Begriffe „Video Science Art“ für seine Videokunst (mit dem er sich gegen den Begriff „Video Art“ abgrenzen wollte) und 1977 „REM Science Art“ für seine rasterelektronenmikroskopischen Bildwerke.

1971 fotografierte Manfred P. Kage als Weltsensation Mondgestein der ersten Apollomissionen in brillanter Farbe. Dies gelang ihm mit seiner Erfindung, dem „Polychromator“, einer Art optischem Synthesizer, den er bereits 1957 erfand und welcher mit den Weiterentwicklungen dieses optischen Systems bis heute weltweit einzigartig und in der Qualität unerreicht ist.

1976 erhielt Kage als erste Privatperson in Deutschland ein Rasterelektronenmikroskop und entwickelte 1977 erstmals die Farbgebung für die Rasterelektronenmikroskopie direkt am Gerät mit einem Gammadiskriminator. 1977 begründete er damit seine multispektrale REM-Science-Art.

Seit den Anfängen der künstlerischen und wissenschaftlichen Tätigkeit Kages erfolgten zahlreiche Buch-, Katalog und Magazinveröffentlichungen sowie verschiedenste Filmdokumente und Fernsehberichte über seine Tätigkeiten.

Kage gründete zudem den Verlag „Edition Visuell“ mit einer angeschlossenen Galerie, in dem er u.a. das Buchwerk „Faszination Technik“ für SEL herausbrachte.

Anfang der 1990er Jahren erhielt Manfred P. Kage eine Gastprofessur an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und entwickelte dort ein Studienfach für wissenschaftliche, experimentelle Fotografie im Bereich der Medienkunst.

Über Jahrzehnte hinweg arbeitete Kage in einem Labor der Universität Paris in Villefranche an der Erforschung der Mikroorganismen des Mittelmeeres und erstellt faszinierende Filmdokumente und einzigartige Bildserien fragiler Organismen. Insbesondere auch im Bereich des mikroskopischen Films entwickelte Kage bis zu seinem Tod teilweise weltweit einmalige optische Techniken und Adaptionen.

Mit zahlreichen Dokumentarfilmern, Forschungsinstituten und Universitäten arbeitete Kage (ab Mitte der 1990er Jahre auch zusammen mit seiner Frau Christina Kage) in Forschungskooperationen insbesondere im Bereich der Planktonkunde zusammen.

So entstanden zahlreiche wissenschaftliche Filme in Kooperation u.a. mit den Firmen Zeiss und Olympus, der Biologischen Anstalt Helgoland, der Experimenta Heilbronn (Science Center), dem Pasteur-Institut Paris, mit Heinz Sielmann, Prof. K. Hausmann (Universität Berlin), Prof. W. Foissner (Universität Salzburg), Prof. U. Szewzyk (TU Berlin) u.v.m..

Mit verschiedensten Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kunst, Architektur und Wissenschaft verband Manfred P. Kage eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit.

So ist er u.a. Gründungsmitglied der „Taucher“, einer Künstlergruppe um Eberhard Fiebig und war neben Herbert W. Kapitzki Mitglied der Gruppe 56 des AGW (Arbeitskreis Grafik und Wirtschaft) in Stuttgart. Künstlerische und wissenschaftliche Weggefährten und Freunde waren auch Herbert W. Franke, Otto Piene, Heinz Mack, Klaus Bassett, Hajek Halke, Siegfried Rösch, Dieter Krauter, Gottfried Jäger, Max Bense, Georg Bense, Werner Adolf Kilian, Otto Ritschel, Heinrich Riebesehl, Heinz Haber, Werner Heiss, Anton Stankowski, Hans J. Müller, Heinrich Klotz und Wolfram Hunke, Helmut Opel, Werner Nachtigall, Uwe George, Georg Gerster u.v.m.

Über 20 Jahre war Kage zudem freier wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für leichte Flächentragwerke (IL) bei dem Architekten Frei Otto und bei „Bild der Wissenschaft“ in Stuttgart.

Kage war berufenes Mitglied der DGPh (Deutsche Gesellschaft für Photographie), der DFA (Deutsche Fotografische Akademie), Mitglied und Teil der Gründungsriege des BFF (Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V.), Mitglied der DGP (Deutsche Gesellschaft für Protozoologie), Mitglied der DGE (Deutsche Gesellschaft für Elektronenmikroskopie) und Ehrenmitglied der TMG (Tübinger Mikroskopische Gesellschaft).

In der Alfred Ehrhardt Stiftung (Kuratorin: Dr. Christiane Stahl) 2010 und im Deutschen Museum in München 2012 (Kuratorin: Dr. Cornelia Kemp) wurden ihm ausgiebige Retrospektiven gewidmet.

Die Deutsche Post zeigte seine Bildwerke auf der Sonder-Briefmarkenserie „Mikrowelten.

Bis zu seinem Tod 2019 kreierte Manfred P. Kage Neuentwicklungen für seine künstlerische Mikrofotografie, Mikrovideo, der Video- und Multimediakunst.

Zudem zählte er zu den Mikrofotografen, die erstmalig Mikrovideos in HD und 4K sowie bewegte REM-Aufnahmen, künstlerische Portraits von Mikroorganismen und mikroskopische Gigapixel-Bilder zeigten.

Das Schloss Weißenstein in Baden-Württemberg ist heute Sitz der künstlerischen Sammlung Kages und beherbergt das Unternehmen KAGE Mikrofotografie GbR mit dem „Institut für wissenschaftliche Fotografie“ und angeschlossenem Bildarchiv sowie dem Museum „KAGEs MIKROVERSUM“, welches sich insbesondere dem Lebenswerk Manfred P. Kages und seiner künstlerisch-wissenschaftlichen Arbeit widmet.

Kages Ehefrau Christina, seine Tochter Ninja-Nadine und sein Schwiegersohn Oliver Kage arbeiteten sowohl im Forschungsbereich, der wissenschaftlichen Fotografie und dem künstlerischen Wirken eng mit Kage zusammen und entwickelten mit ihm spezielle künstlerische und wissenschaftliche Projekte gemeinsam weiter. Sie führen heute sein Lebenswerk und seine Visionen mit der KAGE Mikrofotografie GbR und dem Museum im Schloss Weißenstein fort und betreuen die künstlerische Sammlung sowie das Bildarchiv.

Wir denken mit Trauer an diesen herausragenden Pionier der Mikrofotographie und Mitglied der Tübinger Mikroskopischen Gesellschaft.