Tübinger Mikroskopischer Stammtisch (März bis April)

Chrysops-Bremse, Samtmilbe, Laus, 3D-Darstellungsmethoden, Mikroskopbeleuchtungen, Reinigung fossiler Mergel, PICOLAY, UMOs, World Microscope Day, Blepharisma– und Euglena-Kultur, Vulkantuff, Planidium-Larven, Oide, Blasenlage, kristall-optische Effekte, Raupen, Stromatolithen, Draparnaldia, Stacking, leuchtende Bakterien, Köhler-Mikroskope, Färbung, Mikro-Art, Tümpelgruppe, Einschlussmittel, Rädertierchen, Eisenkiesel und mehr.

25. April 2021

  • Ein schönes altes Präparat einer Chrysops-Bremse von Alfons Renz, live unterm Mikroskop erforscht. Der Stechapparat mit den feingezähnten Maxillen ist eine beeindruckende Konstruktion (was man eigentlich von allen Lebewesen sagen kann!). Männchen wie Weibchen saugen Blut, wobei die Wunde relativ groß ist und das austretende Blut aufgesogen wird. Der Stich ist daher sofort schmerzlich spürbar. Die humanpathogene Filarie Loa loa benutzt in Westafrika Vertreter der Bremsen als Zwischenwirt.
  • Das Bild einer Roten Samtmilbe auf Moos von Horst Fries war Anlass, das unglaubliche Verfahren der Milben anzudeuten, wie sie in ihren Wirt eindringen: Nämlich unter Verwendung eines „Schnellklebers“, der den Saugkanal ausbildet. Milben sind also, wie ein Stammtischteilnehmer bemerkte, wohl die Erfinder des 3D-Druckers.
  • Noch ein Krabbler: Bilder von Willi Latz einer Schweine-Laus, die unter unterschiedlichen Beleuchtungen aufgenommen wurden. Die Haltekrallen sind exakt dem Durchmesser der Wirtshaare angepasst, mit denen sie sich wie mit einer Rohrzange am Haar festhalten können.
  • Rudolf Lukes hat Gott-sei-Dank kein Corona, dafür aber das 3D-Fieber bekommen (ich auch, es ist virtuell ansteckend, Vorsicht! Horst). Mit der Software ‚StereoPhoto Maker‘ lassen sich 3D-Bilder wunderbar darstellen, z. B. ist das Herein- und Heraus-Zoomen ins 3D-Bild bequem möglich. Hier mit Bildbeispielen → Stacking, 3D-Darstellung und mehr mit PICOLAY.
  • Als Beitrag zu den historischen Mikroskop-Beleuchtungen bringt Alfons Renz die Kohlebogenlampen ins Spiel, hier im Beitrag → Mikroskop-Beleuchtungen – historische und kuriose.
  • Manfred Erb hat eine Wasserprobe aus einem Brunnen der Schwäbischen Alb genommen. Massen von feinen fädigen Grünalgen, massenhaft rasche Ciliaten und zwei Bärtierchen-Eier.

18. April 2021

  • Die Reinigung von fossilen Mergeln aus Barbados zur Gewinnung von Diatomeen beschreibt Anne Gleich sehr ausführlich. Ein sehr aufwändiges Verfahren in Anlehnung an die Methode von Wilfried Rönnfeld, das Ausdauer voraussetzt. Es lohnte sich bei Anne, denn immerhin kamen Coscinodiscus excavatus und Asterolampra marylandica zum Vorschein.
  • Eine 3D-Darstellung von einem Einzelbild, von dem kein Bildstapel vorliegt, ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Horst Fries zeigt mit vielen Beispielen, wie es geht → Stacking und mehr mit PICOLAY.
  • Rudolf Lukes gibt Tipps für diejenigen, die mit der 3D-Spiegelmethode („Rohrschach-Verfahren“) nicht richtig zurechtkommen. → Stacking und mehr mit PICOLAY.
  • Zuhause bei Alfons Renz und Horst Kuhn tummeln sich offenbar so einige UMOs, wieder wurden zwei gesichtet → UMOs – Unbekannte Mikroskopische Objekte.
  • Historische und kuriose Mikroskop-Beleuchtungen sind in Sammlungen eher selten zu finden, bei Horst Kuhn und Alfons Renz aber doch. Da gab es Techniken, die heutzutage fast so fern erscheinen wie die Pyramiden. Wer hat noch mehr davon? Zusammengestellt hier → Mikroskop-Beleuchtungen – historische und kuriose.
  • Und dann gabs noch: Eine Legeplatte einer Diatomeenart in verschiedenen Erscheinungsformen von Ralf Nötzel, Algen aus dem Aquarium, ein Bild von Willi Latz eines Glassplitters am Objektträger als kleines Kunstwerk und eine Küchenschelle, aufgenommen von Manfred Erb mit zusätzlichem Beleuchtungsspiegel.
  • Ein Hinweis auf den am 13. April stattgefundenen ‚World Microscope Day‚. 24 Stunden mikroskopische Themen. →https://www.worldmicroscopeday.org. Unterstützt u. a. vom ‚Quekett Microscopical Club‘ (→https://www.quekett.org)

11. April 2021

  • Rudolf Lukes macht uns mit dem „Rohrschach-Verfahren“ für die 3D-Darstellung von Bildern mittels Spiegel bekannt→Stacking und mehr mit PICOLAY.
  • Heribert Cypionka zeigt, wie man mit PICOLAY Bilder für die 3D-Darstellung nach dem oben angesprochenen Rohrschach-Verfahren erzeugt→ Stacking und mehr mit PICOLAY. Außerdem erläuterte er neue Einstellungsmöglichkeiten in PICOLAY.
  • Anne Gleich hat Kulturen von Blepharisma americana (Lidtierchen) und Euglena gracilis erhalten. Perfekt aufgenommene Bilder davon.
  • Alfons Renz hat wieder ein UMO gesichtet→UMOs – Unbekannte Mikroskopische Objekte.
  • Planidium-Larven entziehen sich erfolgreich der Wissenschaft. In Simuliiden konnte Alfons Renz sie nur sehr sporadisch nachweisen (ca. 1:1000), daher können Kriebelmücken kaum der Hauptwirt sein. Die REM-Aufnahme zeigt die Larve auf dem Auge einer Mücke, ein absoluter Zufallstreffer!
  • Für die Untersuchung des Vulkantuffs von Manfred Erb blieb kaum noch Zeit.

4. April 2021 – Österliches

  • Warsteiner oder Briloner Ostereierkiesel, besonders schöne Bilder von Willi Latz.
  • Oide aus dem Brauen Jura, ca 1/2 bis 1 mm groß, Eisenoxide oder Eisenhydroxide. Von Christoph Hebestreit mal als 3D-Bild gezeigt, das mit PICOLAY im Rot-Cyan-Effekt erstellt wurde.
  • Heribert Cypionka greift in seine PICOLAY-Trickkiste und zeigt, wie man ohne Magie aus einem Einzelbild eine 3D-Darstellung zaubert. Siehe hier→ Stacking und mehr mit PICOLAY. Wer probiert’s aus und gibt seine Erfahrungen damit an uns weiter? Außerdem: Das Stacking eines Coronavirus in brillanter Darstellung – oder ist es doch ein Klettenlabkraut?
  • Horst Fries hat diese Ostereier gefunden: Spiralige Eierschnur der Zuckmücke. Zwei Spiegeleier im Stachelkrebschen, Maritime Blasenalge Valonia ventricosa, einzellige Kugeln bis Tischtennnisballgröße mit stabiler mehrschichtiger Hülle von fischgrätförmiger Struktur.
  • Der Osterbeitrag von Olaf Medenbach: Weitere Kunstwerke von kristallinen Gips-Plättchen der Firma Steg & Reuter, die mittels kristall-optischer Effekte sichtbar gemacht werden und durch Ändern der Polarisationsebene ihre Interferenzfarben zur Komplementärfarbe ändern. Siehe auch der Stammtisch-Beitrag der vorigen Woche.
  • Alfons Renz ergänzt Olafs Beitrag durch eine Live-Vorführung eines ‚Ostereier-Projektionsapparats‘, der aber auch andere Bilder projizieren kann. Solche Apparate dienen/dienten didaktischen Zwecken. Von den Demo-Kristallen ist eines aus dem Jahre 1871 datiert.
  • 24 Teilnehmer am Stammtisch verschoben das familiäre Ostereier-Suchen oder hatten es schon hinter sich.

28. März 2021

  • „Das Dschungelbuch Version 2 – Herbivore Vielfresser im Herzen von Texas“ nennt Claudia Leon ihren kleinen, aber feinen Vortrag. Für Raupen ist im blumenreichen texanischen Frühling der Tisch reich gedeckt. Z. B. für die stacheligen Pfauenspinner Hemileuca oder die haarigen Salzwiesenmotten Estigmene acrea. Infos in der Bilder-Galerie.
  • 3D-Bilder aus dem Mikrokosmos mit PICOLAY von Eberhard Raap und Heribert Cypionka. Siehe hier→ Stacking und mehr mit PICOLAY. Vielen Dank für die Bilder, für die man eine Rot-Cyan-Brille braucht.
  • Tipps zur Erzeugung von 3D-Bildern mit PICOLAY von Heribert Cypionka – also aus erster Hand – direkt im Programm anhand von Beispielen erläutert. Ebenfalls hier nachzulesen → Stacking und mehr mit PICOLAY.
  • Als Osterbeitrag zeigt Olaf Medenbach vor der Kamera die kristall-optischen Effekte kristalliner Gips-Plättchen unterschiedlicher (bis 100 μm) Dicke, die zu kleinen Kunstwerken zusammengefügt sind. Die Firma Steg & Reuter hatte solche Präparate seinerzeit angefertigt. Gegen das weiße linear-polarisierte Licht eines Monitors sind diese Präparate durchsichtig, aber mit einem dazwischen geschobenen Polarisator erscheint ein Bild in verschiedenen Farben, die durch Drehung des Polarisators in andere Farben übergehen. Das erste Beispiel ist zeitgemäß ein Bild von Ostereiern.
  • Stromatolithen sind versteinerte, wulstig-geschichtete Beläge von primitiven Algen aus dem Flachwasser. Ein schönes Exemplar hat Christoph Hebestreit. Die Annahme, dass Stromatolithen allererste Lebensformen des Präkambriums waren, ist neuerdings widerlegt, das Alter beträgt nur einige zig Millionen Jahre. In der Vergrößerung erkennt man die ca. 1/4 mm großen Ooide aus eisenhaltigen Mineralien.
  • Obwohl historische Mikroskope in relativ großer Zahl existieren, findet man praktisch keine frühen Mikroskop-Beleuchtungen mehr. Wer hat noch welche und kann sie beim TMS mal zeigen? Da wäre bestimmt so manches UMO dabei.
  • 32 Teilnehmer

21. März 2021

  • Zwei sehr schöne Aufnahmen der nicht sehr häufigen Grünalge Draparnaldia glomerata, aufgenommen von Anne Gleich.
  • Das Thema Bildbearbeitung und 3D-Darstellungen zieht sich heute durch den Mikroskopischen Stammtisch. Hierzu ein altes Polyscop für Stereoaufnahmen und ein Bildbetrachter dazu.
  • Animation eines einzelnen Bildes (Portait): Auch das geht! → www.myheritage.com. Verblüffend. „Traue keinem Bild, das du nicht selbst gefälscht hast!“
  • Heribert Cypionka stellt uns seine selbst entwickelte Stacking-Software PICOLAY vor. Sie kann aber viel mehr als nur Stacken. Unser neuer, separater Beitrag zu PICOLAY stellt die Infos zum Programm zusammen und sammelt weitere Tipps und Tricks dazu. → Stacking und mehr mit PICOLAY.
    Wir danken Heribert Cypionka für den Vortrag und freuen uns, noch manche Tipps zum Programm bei den nächsten Stammtischen zu bekommen.
  • Leuchtende Bakterien in Meerestieren sind nicht einmal schwer zu erhalten: Sie gibt’s in Fischfachgeschäften und bieten den Vorteil, als Versuchsmaterial auch gut zu schmecken, meint Rudolf Lukes. Er gibt aber den Tipp, die Versuchsobjekte im Kühlschrank gut zu verstecken! Quorum sensing – erst aber ab einer bestimmten Bewuchsdichte fangen die Bakterien an zu leuchten. In der Bildergalerie sieht man, dass anfänglich das Leuchten kaum zu sehen ist, aber es wird …
    Leuchtbakterien kann man als Indikator für Umweltgifte nutzen, denn sie vertragen diese nicht.
    Noch eine interessante Info von Rudolf: Bakterien bilden, oft in Gemeinschaft untereinander, einen Biofilm zur Abwehr von Antibiotika. Man sollte also nicht nur die reinen Bakterien für entsprechende Versuche in Betracht ziehen.
  • Alfons Renz zeigte aus seiner Mikroskop-Sammlung solche der Firma Dr. Wöhler, Kassel, die sich gegenüber Zeiss letztlich nicht durchsetzen konnte. Ein Wöhler-Mikroskop spiele im Film „der Fischer und seine Frau“ von Doris Dörrie eine Rolle (→ www.youtube.com/watch?v=wFFn_kZT7Yo)
  • Das Gerät von Antikythera ist immer noch nicht ganz aufgeklärt, wodurch es bei uns auf als U(M)O aufgenommen wird. Dort auch der Link zu einer eindrucksvollen 3D-Simulation. → UMOs – Unbekannte Mikroskopische Objekte
  • 40 Teilnehmer.

14. März 2021

  • Neues zur Kernschwarz-Färbung von Sven Kötter, ausführlich im Beitrag hier → Die Suche nach Kernschwarz-Färbungen (+ Update).
  • Embryonalentwicklung eines Huhns von Stunde 12 bis 66. Präparate (aus England) von H.-J. Hoehland. Man sieht schön die Ursegmente (→ Somiten), die man früher fälschlicherweise als Urwirbel angesehen hat. Die Entwicklung der Vögel ist →hier schön dargestellt. Die Bilder von H.-J. Hoehland als pdf →herunterladen.
  • Mikro-Art (Beispiele von Alfons Renz). Besonders interessant ist das kunstvoll mäandernde Muster, das entsteht, wenn das das Einschlussmittel eines Präparats austrocknet. Welche Algorithmen liegen da zugrunde?
  • Mikroskopische „Ostereier“: Günther Dorn sammelt Bilder von Eiern bzw. eiförmigen Gebilden mikroskopischer Dimension. Eine (grobe) Bestimmung sollte dabei sein, sonst wissen wir wieder nix. Es soll eine Sammlung werden für Bildtafeln und gerne auch für die TMG-Homepage. Mikroskopiker stoßen ständig auf solche Gebilde und können oft wenig damit anfangen. Bitte schickt Bilder an Günther oder an den Webmaster .
  • Ein neues UMO, wohl ein polarisationsoptisches Objekt → UMOs – Unbekannte Mikroskopische Objekte
  • Vulkane der Schwäbischen Alb: Der Scharnhausener Vulkanschlot →YouTube-Video. Wer Interesse an den Brekzien hat, um sie zu schleifen – wir haben genug davon.
  • Ein Bild eines Anschliffs eines Tropfsteins von Willi Latz.
  • Ein seltener Victorianischer Alabaster Viewer oder „Peep Egg“ von 1860, ein einfaches Mikroskop aus der Sammlung von Horst Kuhn: Illuminated by natural light passing through the white alabaster the four views of the  Town Matlock, Derbyshire, observed by rotating the handle are: The Promenade, High Tor, the Ferry, Matlock Bath.   The viewer measures 11,5 cm in height.
  • 50 Jahre Sendung mit der Maus: Wie kommen die Löcher in den Käse in einer frühen Sendung (Mikroskop-Aufnahmen von KAGE Mikrofotografie) → www.youtube.com/watch?v=-_KLD9opGFg
  • 32 Teilnehmer.

7. März 2021

  • Die Tümpelgruppe war gestern Morgen am Hirschauer Baggersee. Das Wetter wolkenlos, aber eiskalt. Die Ausbeute: Nichts Besonderes. Schön wars trotzdem mit immerhin sechs Anwesenden.
  • Stacking für Anfänger, vom Anfänger. Wie überraschend einfach das geht, demonstrierte Horst Fries live:
    Vom Herunterladen und Installieren des (kostenlosen) Programms „Picolay“
    … über das Fotografieren von Einzelbilden am Mikroskop
    … dann Stacken mittels Picolay
    … mit noch ’ner kleinen Bildnachbearbeitung mit den Irfanview
    … haben wir das fertigen Bild einer Radiolarie
    … in nicht einmal 10 Minuten!
    Das Ergebnis überzeugt. Jetzt sind die erfahrenen Mikroskopiker gefragt, die bestimmt viele Tipps und Tricks dazu geben können.
    In diesem separaten Beitrag (→ Stacking und mehr mit PICOLAY) viel mehr über PICOLAY, u. a. stellt Heribert Cypionka sein Programm in einem Vortrag beim Stammtisch vom 21. März selbst vor.
  • Georg Abeles neues Einschlussmittel (Brechungsindex ≥ 1,70 ) an einem Diatomeen-Bruchstück im Sahara-Staub. Ausführlich hier → Neues hochbrechendes Einschlussmittel „Speedax“
  • Vulkane der Schwäbischen Alb: Weitere Bilder von ‚Bunten Brekzien‘ und Tuffe von Vulkanschloten am Rande der Schwäbischen Alb. Manfred Erb hat die Steine eingesammelt, Christoph Hebestreit hat schnell noch Anschliffe gefertigt und geglättet, um sie unter Auflicht betrachten zu können. Man erkennt u. a. Olivin-Kristalle. Wer Interesse an solchen Steinen hat, um sie zu schleifen – wir haben genug davon.
  • Weitere Bilder von natürlichen Kunstwerken der Warsteiner Eisenkiesel von Willi Latz.
  • Ein neues UMOUMOs – Unbekannte Mikroskopische Objekte
  • Das Strudeln eines Rädertierchens kann man im Video beobachten. Die vielen Schmutzteilchen machen die Wirbel gut sichtbar (Horst Fries).
  • 50 Jahre Sendung mit der Maus: Die Wirkung von Vitamin C auf Makrophagen im Blut wurde in einer frühen Sendung hübsch dargestellt (Mikroskop-Aufnahmen von KAGE Mikrofotografie) → https://vimeo.com/396878840
  • 32 Teilnehmer.

Rädertierchen:

Die bisherigen Tübinger Mikroskopischen Stammtische (TMS) und Beiträge hieraus: