Tübinger Mikroskopischer Stammtisch (Juni bis August)

Beim wöchentlichen „Mikroskopier-Stammtisch“ sitzen wir virtuell per Internet-Meeting (ZOOM-Konferenz) zusammen, immer Sonntags ab 10 Uhr. Die Zugangsmodalitäten werden rechtzeitig per E-Mail an die Mitglieder verschickt. Gäste sind willkommen →Kontakt

Pfeilgiftfroschgift, Borrelien in Zecken, Mofetten, Süßwassergarnelen, Testpräparate, Steinlach, Baggersee, historische Mikroskope und Ferngläser, Projektionsmikroskop, Miracidien-Schlüpftest, Schwärmer, Handy mit Vorsatzlinsen, Leeuwenhoek-Mikroskop, Bienen und Wespen, Schalenamöbe, Insekten.

Details und Bilder …

30. August 2020

  • Woher kommt das Gift der Pfeilgiftfrösche? Am giftigsten ist das Gift u. a. vom „Schrecklichen Pfeilgiftfrosch“ Phyllobates terribilis: Batrachotoxin. Die Frösche nehmen offenbar das Gift über das Futter auf, denn Nachzuchten der Frösche sind ungiftig. Man hat Batrachotoxin nun auch in Vögeln Neuguineas gefunden, die dort Käfer der Gattung Choresine (Fam. Melyridae) fressen, die dieses Gift enthalten. Käfer dieser Familie kommen auch in den Regenwäldern Südamerikas vor, dem Lebensraum der Pfeilgiftfrösche!
  • Borrelien in Zecken: Gesucht, aber unsicher, ob sie in den gesammelten Zecken drin sind. Diese Spirochäten mit ihrer typischen Wellenform waren nicht auszumachen, aber unter gewissen Umständen zeigen sie diese Welligkeit nicht.
  • CO2-Quellen (Mofetten): Diese Quellen sind eine Besonderheit des oberen Neckartals. Sie wurden bis heute zur Produktion von Sprudelwasser genutzt. Insekten, Vögeln und Kriechtieren werden diese CO2-Schwaden zum Verhängnis, wenn sie zu nahe an natürliche Austrittstellen kommen. Ob sich auch mikroskopisch Interessantes in den blubbernden Löchern finden lässt, sollen spätere Untersuchungen zeigen.

Weitere Bilder folgen.

23. August 2020

  • Süßwasser-Garnelen (Caridina multidentata): Kurze Info von Horst, wie die Aufzucht der Garnelenlarven verlief. Der erste Wurf ging total schief, der zweite lebt noch!
  • Elfenbein: Am Winkel der Kreuzbänderung im Querschnitt eines Zahns kann man die Herkunft erkennen: Elefant, Mammut, Mastodon, Walross, Nilpferd … Fälschung.
    Verwendung des Elfenbeins für Objektträger und bei historischen Mikroskopen (Sammlung Kuhn und Renz).

16. August 2020

  • Süßwasser-Garnelen: Infos und Bilder der Japanischen Süßwasser-Garnele Caridina multidentata. In Aquarianerkreisen wird sie als Amano-Garnele bezeichnet, nach dem japanischen Aquarien-„Guru“ Takashi Amano. Er führte diese Garnelenart in die Aquaristik ein, da sie ein effektiver Algenvertilger ist. Die Garnelen sind aber Allesfresser und somit putzige Putzfrauen im Aquarium.
    Momentan hat Horst Larven dieser Tiere – womit das Problem beginnt. Sie wachsen nur im Brack- oder Süßwasser heran, müssen also umgesetzt und im Salzwasser herangezogen werden, was aber meist nicht gelingt. Horst hat´s noch nie hingekriegt, gibt aber nicht auf.
    Man behauptet, dass Caridina multidentata eine primitive Art ihrer Gattung ist, da aus ihren Eiern keine fertigen Garnelen schlüpfen wie bei den kleinen Caridina-Arten. So richtig kann ich das nicht glauben, sehen doch die Larven schon recht garnelenmäßig aus, sie sind in keinem Fall Nauplien.
  • „So ein schönes altes Schächtelchen wirft man doch nicht einfach weg!“ Den Inhalt gleich gar nicht, auch wenn er nach Nichts aussieht. Ein eigener Beitrag hier: →Testpräparate
  • Alfon Renz brachte vom Baggersee heute morgen eine Wasserprobe mit. Jetzt ist die Algenblüte schon fortgeschritten, das Wasser trübe: Der Hauptanteil bildet Anabaena mit den typischen Heterocyten, in geringerem Maße die klumpige Microcystis und fast gar keine Aphanizonemon, die in früheren Jahren die Algenblüten verursachte. Eine Vorhersage von solchem Massenauftreten ist nicht möglich, die Natur hat  zu viele „Stellschrauben“ dafür.
    Es wurden keine Wasserflöhe gefangen. Das früher hier so typische Weiherrüsselkrebschen ist nicht mehr aufzufinden. Auch hier gelten kurz- und langfristige Populationsschwankungen, deren Ursachen nicht erkennbar sind.
  • Manfred hat aus der Steinlach und Zuflüsschen auf Steine haftende, relativ große Strudelwürmer gefunden. Einen Flußkrebs sogar auch – gute Wasserqualität!

9. August 2020

  • Historische Ferngläser und Fernrohre aus der beeindruckenden Sammlung von ´Hotte´. Ohne Bilder hier, aber dort: www.kuhn-scientificinstruments.de.
  • Dann ging es wieder um Gefahren aus den Badeseen: Die Blaualgen hatten wir am letzten Sonntag thematisiert. Dieses Mal beschäftigten uns Saugwürmer, die sich in Lungenschnecken entwickeln und deren Larven beim Eindringen in die Haus schwere Entzündungen hervorrufen: Zerkarien-Dermatitis. Ein Tübinger Forscher war hier namensgebend: Die ‚Bilharziose‘ ist nach dem Tübinger Medizinstudenten Theodor Bilharz benannt, der später in Kairo die nach ihm benannte Wurmkrankheit beschrieben hat. →Miracidien-Schlüpftest
  • Flügelschüppchen von Schmetterlingen: Hugo von Mohl hatte um 1850, einer Empfehlung des italienischen Kollegen Amici folgend, Flügelschüppchen von Schmetterlingen als Testobjekte für die Auflösung von Mikroskopen vorgeschlagen. Der Tübinger Mechaniker Friedrich Belthle, der in Wetzlar das Optische Institut von Carl Kellner übernommen und dessen Witwe geheiratet hatte, legte seinen Mikroskopen ein Testpräparat dieses Schüppchen von Hipparchia janira (einem häufigen Wiesenfalter) bei. Belthle war es, der Ernst Leitz als Mitarbeiter und späteren Teilhaber einstellte – der Rest ist Geschichte und allseits bekannt. In einer späteren Sitzung werde ich mehr über solche Testpräparate berichten.
  • Am Samstag hatte Alfons Renz ein interessantes ‚Projektionsmikroskop‘ mit Stangenstativ und Durchlicht-Fuß erhalten, das er kurz vorstellte, in der Hoffnung, dass ihm bei der Bestimmung geholfen werde (das Gerät ist nicht signiert). Letztes Bild.

2. August 2020

  • Taubenschwanzschwärmer, Manfreds Fotos und Links auf seine Videos auf YouTube.
  • Ursulas Schmetterlingsraupe, vermutlich ein Lindenschwärmer (siehe Meeting der Vorwoche), hat sich nun eingegraben und verpuppt. http://www.schmetterling-raupe.de/f_Sphingidae.htm
  • Rückblick auf das Baggersee-Tümpeln gestern. Blaualgen in einer Planktonprobe: Anabaena (erzeugt die momentane Algenblüte), Microcystis und wenige Aphanizonemon). Siehe auch Beitrag → hier
  • Was ist das? Wasserfloh-Schwimmflossen? Nein, Schmetterlingsschuppen von einem Nachtfalter, der mal ins Glas gefallen war! Übrigens, Schmetterlingsschuppen waren früher mal das Testobjekt, um die Auflösung der damaligen Mikroskope zu beurteilen.
  • Großer Pappelschwärmer (Polen).
  • Handy mit Vorsatzlinsen (Kauf oder Selbstbau) bringt erstaunliche Ergebnisse (Manfred).
  • 8 Teilnehmer heute.

26. Juli 2020

  • Der Verfasser dieser Zeilen ist erst nach einer Stunde dem Meeting beigetreten, so dass hier die ersten Beiträge nicht aufgeführt sind.
  • Historische Mikroskope aus Sammlung Kuhn, u. a. Plössl-Stangenmikroskope.
  • Selbstgebautes Leeuwenhoek-Mikroskop (Renz)
  • Schmetterlingsraupe – vielleicht schlüpft noch was. Die Teilnehmer waren uneins über die Art: Ligusterschwärmer, Abendpfauenauge, Lindenschwärmer, letzere wahrscheinlich die Richtige. Siehe auch http://www.schmetterling-raupe.de/f_Sphingidae.htm
  • Baggersee-Plankton von heute: Noch keine Algenblüte. Keine Weiherrüsselkrebschen, die sonst typisch für den K-furter Baggersee sind.
  • Kurzes Video vom Taubenschwanzschwärmer, und zwar mit dem Handy aufgenommen (mit angebauter Vorsatzlinse), beeindruckend.

5. Juli 2020

Mit 14 Teilnehmern hatte der Stammtisch diesen Sonntag regen Zuspruch.

  • Historische Mikroskope, vorgestellt von Horst Kuhn. Die Highlights: Culpeper-, Blunt-Mikroskop und Brander-Kompendium.
  • Rückblick auf den gestrigen Baggersee-Planktonaktionstag mit Studenten der Uni und TMG-Mitgliedern. Siehe auch →Planktonaktionstag
  • Nochmals Wespen: Ein Vergleich von Kopfzeichnungen. Ist es möglich, dass diese Zeichnung als Erkennungsmerkmal unterschiedlicher Völker dient? Wer kann Bilder von Kopfzeichnungen von Wespen aus seinem Wohnort beisteuern, um eventuelle Unterschiede zu erkennen?
  • Schalenamöbe, Zeitraffervideo.
  • Insekten auf der Alb.

28. Juni 2020

  • Wespen
  • Bienen, Bienenstachel präparieren
  • Blaualgen
  • Gartenteichplankton
  • Käfer etc. auf der schönen Alb

Die bisherigen Tübinger Mikroskopischen Stammtische (TMS):