Tübinger Mikroskopischer Stammtisch (TMS)

Beim wöchentlichen „Mikroskopier-Stammtisch“ sitzen wir virtuell per Internet-Meeting (ZOOM) zusammen, immer Sonntags ab 10 Uhr. Die Zugangsmodalitäten werden per E-Mail an die Mitglieder verschickt. Gäste sind willkommen, bitte →Kontakt aufnehmen.

Die Beiträge sind hier in chronologischer Reihenfolge zusammengefasst, die neuesten zuerst (oben). Beiträge von weiter zurückliegenden Stammtischen sind ganz unten aufgelistet.

In memoriam Willi Latz (+ 23. Januar 2023)

Ein Link zu dem Artikel „Fossile Schimmelpilze im Gestein“ im MIKROKOSMOS Juli 1996 von Wilfried Latz und Bruno P. Kremer → hier

29. Januar 2023

  • Alfons Renz informierte über die Ergebnisse der Mitgliederversammlung der THG vom vergangenen Freitag (siehe hier → Mitgliederversammlung 2023 am Donnerstag, 26. Januar) mit einem Rückblick auf das vergangene Vereinsjahr.
  • Recht ausführlich machten sich die „Stammtischler“ Gedanken, wie man junge Leute an das Mikroskopieren heranführen könnte:
    • Hohe Präsenz in den sozialen Medien wie Instagram u. a. Facebook ist wohl schon am absteigenden Ast. Aber: Aufwändig, weil ständige Aktualisierung notwendig.
    • Makro-Fotografie mit Handy (ggf. mit Vorsatzlinsen) als Einstieg für die Mikroskopie. Dies bei öffentlichen Auftritten von Mikroskopikern vorführen.
    • Günther Dorn hat Mikroskopiker befragt, in welchem Alter sie zur Mikroskopie gestoßen sind: Meist 8 bis 14 Jahre!
    • Einzelne Vereine und Gruppen haben für die Öffentlichkeitsarbeit wenig Durchschlagskraft. Deutschlandweite Institution wäre (Bund) wären effizienter.
  • 36 Teilnehmer

22. Januar 2023

  • Microscopic identification of black flies (Kriebelmücken) of Ethiopia and plankton with TMK (=TMG). Ein Vortrag von Abebual Yilak, Uni Tübingen. Kriebelmücken sind Krankheitsüberträger in den Tropen, z. B. der Flussblindheit Onchocerciasis. Als Anhang noch Abebuals Mitwirken beim Tümpeln am 7. Januar am Baggersee zum Kennenlernen des hier heimischen Planktons. Vielen Dank für den Vortrag! Siehe auch hier → Kriebelmücken
  • Eine einfache Methode um festzustellen, wie Pantoffeltierchen auf eine elektrischen Potenzial reagieren. Sie bewegen sich sehr deutlich und spontan auf einen Pol zu. Andere Tierchen auch (Ciliaten, Rädertierchen, Kleinkrebschen …)? Zwei dünne, flexible Drähtchen mit jeweils einem Alustreifen mit Leitpaste und Kleber auf ein Deckglas befestigt, dazwischen kommt der Probenwassertropfen. Hier beim Stammtisch hat Alfons eine 9-Volt-Batterie verwendet – ein bisschen viel, meinten die Pantoffeltierchen, haben den Effekt aber tapfer vorgeführt.
  • Die Genitalorgane der zwittrigen Schnecken sind bemerkenswert und kompliziert aufgebaut. Anhand eines histologischen Präparats von Alfons Renz konnte er uns insbesondere den Ovitestis (eigentlich besser Ovotestis) erklären. Die Spermienbündel mit extrem langen Cilien sind auffällig, sie scharen sich jeweils um ihre Ammenzelle. Zwei Bilder in 3D (Anaglyphenbrille benutzen), auf die Schnelle vom Bildschirm bei verschiedenen Fokussierungen aufgenommen und mit PICOLAY erzeugt – daher nicht perfekt.
  • Biberspuren in der Umgebung von Tübingen, beobachtet von Christoph Hebestreit und Alfons Renz. Ob das Haarbüschel (mit Lufteinschlüssen) vom Biber stammte, ist auf einfache Weise nicht zu entscheiden, man müsste zusätzlich die Schuppenstruktur untersuchen.
  • Siegfried Schmidt mit einem schönen Bild der Diatomee Neidium lumescens.
  • Abschließend noch ein kleiner Beitrag von Rudolf Lukes, der das Thema Künstliche Intelligenz anreißt. KI leistet zur Mustererkennung bereits heute Hervorragendes. Anwendungen in der Biologie sind sicher vielfältig.
  • 33 Teilnehmer

15. Januar 2023

  • Warum sind Korallenfische so bunt?„, fragte sich Horst Fries beim Schnorchel im Roten Meer bei Marsa Alam vorigen Jahres. Was man üblicherweise darüber lesen kann, befriedigt nicht immer so recht. Lassen sich Raubfische wirklich so leicht täuschen? Z. B. wegen kaschierter Augen, auffallend häufig bei Korallenfischen. Oder durch die durch farblich aufgelöste Körperform? Auffallende Rotfärbung ist als solche nach 10 Meter Lichtweg nicht mehr zu sehen, siehe das Beispiel der beiden Bilder in der Bildergalerie (Original und mit abgedrehtem Rotanteil). In den Riffen scheint es bei Tage ziemlich friedlich zuzugehen. Erst bei Nacht wird ausgiebig gejagt, und da sind alle Fische grau, eine auffallende Färbung also kaum von Nachteil. Aber auch bei Fischen im Riff gibt es Mimese, also das Nachahmen der Umgebung. Warum haben die es nötig, andere nicht?
  • Vom Leben im Roten Meer war auch Ernst Haeckel beeindruckt, was in seinem Buch „Arabische Korallen“ zum Ausdruck kommt.
  • Die Meeresschnecken, die uns Alfons Renz zeigte, haben interessante, ästhetisch schöne Zeichnungen: Eine rote Pharaonenschnecke Clanculus pharaonius, eine Kegelschnecke (vielleicht Conus pennaceus) und eine Argusaugen-Kauri-Schnecke (Cypraea argus). Hans Meinhardt versucht in seinem empfehlenswerten Buch „Wenn Schnecken sich in Schale werfen“ (engl.: „The algorithmic Beauty of Sea Shells“) die Schalenmuster auch mathematisch herzuleiten.
  • Eine Meeresschneckenlarve vom Roten Meer hatte mal Oliver Hirning in einem kurzen Video aufgenommen. Das Bild aus dem Video ist dem Webmaster allerdings nicht gut gelungen.
  • Anne Gleich erhielt Proben von Diatomiten aus dem Nachlass von Klaus Kemp. Es sind insgesamt so viele z. T. undokumentierte Proben, dass wir befürchten, sie verpasst wegen der Sichtung so manche unserer Stammtische!
  • Über das derzeitige, bereits sehr reichhaltige Plankton eines Tümpels hat Márkus Bálint einen kleinen Film aufgenommen. Zwei Bilder daraus in der Galerie.
  • 36 Teilnehmer

8. Januar 2023

  • Ein Lehmann’sches Kristallisationsmikroskop war wohl das schönste Weihnachtsgeschenk für Olaf Medenbach, erworben bei Ebay. Hier vorgestellt, bestens restauriert. Weitere Bilder historischer Geräte demonstrieren die Entwicklung dieser Geräte. Otto Lehmann war ein Pionier der Flüssigkristallforschung. Ernst Haeckel sprach von „Kristallseelen“ und sah Verbindungen zur belebten Welt.
    Der Vortrag hier → Die Polarisatationsmikroskope nach Carl Klein und Kristallisationsmikroskope nach Otto Lehmann
  • Rückblick auf das gestrige „Dreikönigstümpeln“ am Kirchentellinsfurter Baggersee, inzwischen zur Tradition geworden. Sekt, Vesper und Kaffee gehören dazu. →Dreikönigstümpeln 2023
  • Zum Thema „Mein erstes Mikroskop/Präparat“ hat Anne Gleich ein Kaninchen-Haar beigesteuert (Lufteinschlüsse!). Alfons Renz ein Mäuseleber-Schnitt mit Zyste.
  • Michael Kickum hat recherchiert zu Gemälden von Antoni van Leeuvenhoek.
  • 37 Teilnehmer.