Tübinger Mikroskopischer Stammtisch (TMS)

Beim wöchentlichen „Mikroskopier-Stammtisch“ sitzen wir virtuell per Internet-Meeting (ZOOM) zusammen, immer Sonntags ab 10 Uhr. Die Zugangsmodalitäten werden per E-Mail an die Mitglieder verschickt. Gäste sind willkommen, bitte →Kontakt aufnehmen.

Die Beiträge sind hier in chronologischer Reihenfolge zusammengefasst, die neuesten zuerst (oben). Beiträge von weiter zurückliegenden Stammtischen sind ganz unten aufgelistet.

15. März 2026

  • Gyrodactylus, ein Fischparasit, hat sich in Olivers Aquarium mit einem Zukauf eines Betta-Männchens eingeschleust. Mikroskopiker können damit aber auch Vorteile sehen und diese interessanten Plattwürmer mal genauer anschauen – und wir provitieren beim Stammtisch davon! Siehe den gesamten Vortrag hier → Gyrodactylus – ein Ektoparasit auf Fischen
  • Über weitere nicht beliebte Würmer berichtete Alfons Renz: Über Onchocerca und Trichinen sowie Trichinen-Mikroskope.
  • Und Alfons hat noch ein technisches UMO zum Enträtseln vorgestellt. Siehe dort → UMOs – Unbekannte Mikroskopische Objekte (technische)
  • 45 Teilnehmer

8. März 2026

  • Tümpeln im Aileswasensee. Sehr viel Zooplankton: Im Freiwasser Daphnia longispina und Diaptomus, am Ufer Linsenkrebschen Chydorus sphaericus, Simocephalus (vetulus?) und Alona. Algen am Ufer: Spirogyra, Spirulina (jenneri?), Oscillatoria (limosa?), Closterium, Fragilaria.
    Interessant und hir noch ungeklärt: Die Schraubenalge Spirogyra hat am gleichen Standort stark unterschiedliche Zelldurchmesser und stark bis extrem unterschiedliche Windungslängen(„Wellenlängen“), selbst im gleichen Fadenstück. Was ist die Ursache?
    Woher kommt der Name Aileswasen? Vermutlich: „Ailes“ = Sumpf, „Wasen“ = Wiese. Das macht Sinn, denn der Baggersee war wohl ursprünglich sumpfiges Gelände.
  • Imposante Netze von Baldachinspinnen (Linyphiidae) hat Gerd schon seit Jahren beobachtet, waren aber stets schwer zu fotografieren. Solche Spinnen sind schwierig zu bestimmen, bei der Gattung möchten wir uns nicht festlegen (vielleicht Aeoncus). Über die Funktion der Netze kann zunächst nur spekuliert werden. Siehe dazu → https://www.zobodat.at/pdf/Mauritiana_20_2007_0381-0389.pdf
  • Die Nosferatu-Spinne ist als „Haustier“  inzwischen bei uns sehr verbreitet.
  • Martin Bemmann hatte am letzten Sonntag den ‚Embryographen‘ von Hartnack vorgestellt. Weshalb die Darstellung von Embryonen gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts plötzlich so wichtig wurde, dass hierfür ein eigenes Gerät konstruiert wurde, soll nun – am letzten Sonntag blieb keine Zeit – am Beispiel der vergleichenden Anatomie der Wirbeltiere erklärt werden. Speziell der Entwicklungsgeschichte ihrer Embryonen, deren große Ähnlichkeit Ernst Haeckel mit der Erkenntnis kommentierte: In der Ontogenie wiederhole sich die Phylogenie. Was damals einen Streit nicht nur unter Wissenschaftlern (‚Sandalion‚), sondern vor allem mit der Kirche provozierte.Bei der Darstellung der Embryonen geht nicht zuletzt um die Frage, wie weit die künstlerische Gestaltung einer wissenschaftlichen Zeichnung gehen darf, oder: wann wird aus didaktischer Vereinfachung eine Fälschung?
  • 35 Teilnehmer

1. März 2026

  • Frühling lässt sein blaues Band, wieder flattern durch die Lüfte: Das bekannte Gedicht von Eduard Mörike verweist nicht nur auf das schöne Wetter draußen, sondern auch auf die Zeit des mittleren und späten 19. Jahrunderts (Mörike starb im Jahr 1875), das durch die Erkenntisse der Biologie (Evolution und ‚Schöpfungslehre‘) und Fortschritte in der Mikroskopie geprägt war.Eine zentrale Rolle spielte damals die vergleichende Anatomie der Wirbeltiere und speziell die Entwicklungsgeschichte ihrer Embryonen, deren große Ähnlichkeit Ernst Haeckel mit der Erkenntnis kommentierte: In der Ontogenie wiederhole sich die Phylogenie. Was damals einen Streit nicht nur unter Wissenschaftlern (‚Sandalion‘), sondern vor allem mit der Kirche provozierte.

    Für die wissenschaftliche Dokumentation der Embryonalentwicklung entwickelte Dr. Eduard Hartnack, mit seiner Mikroskopherstellung inzwischen in Berlin-Potsdam angesiedelt, ein spezielles Zeichenmikroskop, den Embryographen, den uns Martin Bemmann Morgen vorstellen wird.

    Bei der Darstellung der Embryonen geht nicht zuletzt um die Frage, wie weit darf die künstlerische Gestaltung einer wissenschaftlichen Zeichnung noch gehen, oder: wann wird aus didaktischer Vereinfachung eine Fälschung? Konkret geht es dabei um den Skandal um die ‚gefälschten‘ Abbildungen von Embryonen durch Ernst Haeckel in seiner Schöpfungsgeschichte (Anthropogenie). Eure Meinung ist gefragt!

  • Heute bietet die digitale Bilderfassung und Bildbearbeitung faszinierende neue Möglichkeiten, die uns Heribert Cypionka mit einer interessanten Erweiterung seines PICOLAY-Programms vorstellen wird, der Darstellung mehrschichtiger semitransparenter Einzeller – das Hologramm-Stacking.
  • 37 Teilnehmer

22. Februar 2026

  • Olaf Medenbach stellt ein Polymeter-Mikroskop vor, ein frühes Messmikroskop mit allen Schikanen!
  • Dirk Backenköhler gelang ein phänomenaler Fang: Ein Hartnack-Mikroskop mit Auslieferungsschreiben der Tübinger Firma Christian Erbe mit handschriftlicher Begutachtung durch Hugo von Mohl.
  • Mikro-Härteprüfgerät der Firma Leitz präsentieren.
  • In Gerhard Schulz‘ Aquarium: Nostoc, Rotalge, Schnecke mit Passagier.
  • Mikrometer-Platte von Washington Teasdale.
  • 45 Teilnehmer

15. Februar 2026

  • Michael Drozd skizziert die Mechanismen des Augenflecks, die bei Euglena und Chlamydomonas den Wimpernschlag steuern. Anlass war die Frage, aus welcher Richtung eine Volvox-Zelle (eng verwandt mit Chlamydomonas) Licht vorzugsweise wahrnimmt. Also generell gilt: Nicht in Richtung, in der der Augenfleck am Zellrand sitzt, sondern entgegengesetzt. Das muss z. B. bei der Simulation einer Volvox (siehe vorige Beiträge im TMS von Horst Fries) berücksichtigt werden).
  • Eine Fliege in Bernstein hat Igor an der Ostsee erstanden, sehr schön erhalten. Vermutlich eine Langbeinfliege (Dolichopodidae).
  • Ein technisches UMO von Alfons → UMOs – Unbekannte Mikroskopische Objekte (technische)
  • Ein gewichtiges Tetrander-Mikrotom, speziell für Holzschnitte, wird von der Hochschule in Holzgerlingen angeboten (mit Messern und Zubehör, muss nur abgeholt werden!).
  • 41 Teilnehmer

8. Februar 2026

  • Baggersee-Tümpeln, Bilder von Nicole.
  • Wir klären die Frage von Horst, wie die Augenflecken von Algen funktionieren. Wohin „blicken“ sie:
    • In Richtung der Augenflecken nach außen (wenn die Augenflecken selbst die lichtempfindlichen Rezeptoren enthalten), oder
    • entgegen der Augenflecken (wenn diese lediglich als Abschattungs-Schirm und ggf. als Reflektor dienen.
    • Die Simulation einer Volvox-Kugel von Horst ging vom dem ersten Fall aus, was wohl richtig ist, da bei den eng verwandten Chlamydomonas-Algen im Augenfleck lichtempfindliche Proteine (Rhodopsine) nachgewiesen sind. Verblüffend: Selbst wenn bei der Simulation von einer umgekehrten „Blickrichtung“ ausgegangen wird, ergibt sich nahezu das gleiche Verhalten (Drehen zur Lichtquelle hin).
    • Siehe dazu den Beitrag von Michael Drozd beim TMS vom 15. Februar.
  • Igor hat sich ältere Präparate zugelegt: Von Kalkkörpern (Sklerite o. ä), Diatomeen, einer Kolibri-Feder und Radiolarien. Darunter eine Schlammprobe der Challenger-Expedition. Mit einer Jamin-Lebedeff-Einrichtung ergeben sich sehr schöne Farbspiele.
  • ca. 20 Teilnehmer

1. Februar 2026

  • Die beim vorigen Stammtisch angekündigte Volvox-Bewegungssimulation von Horst Fries. Unterschiedliches Verhalten mit verschiedenen Parametern. Eine animierte GIF-Datei der Simulation ist beim vorigen TMS eingefügt, siehe dort.
  • Bericht von der Mitgliederversammlung am 20. Januar mit den Vorstandswahlen → Mitgliederversammlung 2026
  • Zunächst ein UMO (Unbekanntes Mikroskopisches Objekt), dann als „Embryograph“ enttarnt. Die Funktionsweise mit dem dreieckigen Prisma war früher z. T. falsch beschrieben. Olaf Medenbach hatte die richtigen Erklärungen dazu.
  • Alfons Renz berichtete von seiner Reise nach Äthiopien anlässlich einer Konferenz über den Stand der Forschung zur Flussblindheit Onchozerkose.
  • 31 Teilnehmer

25. Januar 2026

  • Horst Fries regte eine Diskussion zur Bewegung von Volvox-Kugeln an: So faszinierend die Schönheit der rotierenden Kugeln ist, so schwierig erweist es sich, diese Bewegung mit einfachen Modellen zu erklären. Teil 1: Welche Eigenschaften der Volvox-Zellen bestimmen die Bewegung der Kugel, insbesondere die Ausrichtung zum Licht hin. Siehe PDF unten. Teil 2 beim nächsten Stammtisch: Eine Bewegungssimulation mit verschiedenen Parametern. Hier eine animierte GIF-Datei der Simulation.
  • Mit einer Tolansky-Zusatzeinrichtung baute Igor Reicher sein Mikroskop zu einem Interferometer um, mit dem man Höhenunterschiede messen kann. Im Mikroforum wurde die Wirkungsweise erklärt → https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=23350.msg173400#msg173400. Igor zeigt, dass es funktioniert.
  • ca. 27 Teilnehmer

18. Januar 2026

  • Sehr gut gelungene Diatomeen-Bilder von Igor Reicher. Und noch ein Schwanenhalstierchen (Lacrymaria olor), das sich in einer Schale einer Schalenamöbe eingenistet hat.
  • ca. 14 Teilnehmer

11. Januar 2026

  • Olaf Medenbach berichtete über die Tsumeb-Mine in Namibia, eine Fundgrube verschiedenster Mineralien. Hier nur ein kleiner Auszug aus dem hervorragenden Vortrag – man muss eben beim Stammtisch unbedingt dabei sein, um solches nicht zu verpassen!
  • Horst Kuhn stellte drei Nürnberger Holzmikroskope aus seiner Sammlung vor.
  • Dank Martin Bemmanns Hilfe konnte die patentierte Funktion eines Wöhler Prix-Mikroskops geklärt werden.
  • 36 Teilnehmer

4. Januar 2026

  • Rückblick auf das gestrige Neujahrs-Tümpeln am Kirchentellinsfurter Baggersee.
  • Gesucht wurden noch Informationen zum Mikroskop-Hersteller Dr. Wöhler in St. Ingbert, Messkirch und Kassel. Ohne Bild hier.