3. Tübinger Kulturnacht 2010

BlauPause – die 3. Tübinger Kulturnacht am 8. Mai 2010

Kultur, Kunst und Wissenschaft, dieser Dreiklang bildete auch in diesem Jahr wieder den Rahmen für die Präsentationen unserer Mikroskopischen Gesellschaft anlässlich der 3. Tübinger Kulturnacht.

Deren Motto lieferte die Idee für eine Vielfalt von Präsentationen: Die Kunstformen der Natur, interpretiert als „Blaupausen“ für Künstler, Naturwissenschaftler und Ingenieure, so wie sie Ernst Haeckel schon vor 110 Jahren seinen staunenden Zeitgenossen präsentierte und wie sie heute als Vorlagen für Bionik und Nanotechnik schon vielseitig genutzt werden.

Mit ihren vielen Nischen und dem separaten Raum für Videopräsentationen bot die H-Fischer Künstlergalerie von Frau Elisabeth Barth wieder den optimalen Rahmen für die verschiedenen Darbietungen: Die Faszination der 3-D Stereomikroskopie von Rainer Mehnert und Robert Görke, den Mikrozoo von Harald Fischer und die Exkursionen in die Botanik und Fluoreszenzmikroskopie von Klaus Herrmann.

Highlights waren die Objekte der Bionik des Tübinger Max-Planck-Instituts, z.B. die REM-Bilder des Klettverschlusses des Hexenkrauts und der Haftlappen von Käfern von Jürgen Berger, die als Vorbilder für schnell lösliche Haftverbindungen erforscht werden. Mit einem Blick durch das Stereomikroskop von Michael Franke konnten die Besucher selbst die Haftpolster des Kartoffelkäfers und die Mundwerkzeuge einer Zecke deutlich erkennen, oder in aller Ruhe die 20 Objekte aus der Mineralogie, Biologie und Technik unter dem Revolver-Präsentationsmikroskop von Klaus Dönnebrink betrachten.

Blinde wieder sehend zu machen, lautet das ambitionierte Ziel einer Tübinger Arbeitsgruppe, deren neueste Entwicklung, das Retina-Implantat, Wilfrid Nisch unter dem Auflichtmikroskop präsentierte. Auf einer Chipfläche von wenigen Quadratmillimetern werden die von Solarzellen empfangenen Lichtreize über winzige Transistorverstärker in elektrische Impulse umgewandelt und diese über ein Lochgitter auf der Oberfläche direkt an die Nervenzellen der Retina weiter geleitet.

Wer sich in aller Ruhe von der Faszination des Mikrokosmos begeistern lassen wollte, nahm im Nebenzimmer Platz und genoß die Video-Projektionen von Mikroorganismen und die Einblicke in das Leben der Schleimpilze oder ließ sich von bunt schillernden Seifenblasen bezaubern.

Kages faszierende Mikrowelten, unter diesem Titel waren die schönsten Bilder des Mikrophotographen und Künstlerehepaars Christina und Manfred Kage in einer Videocollage zusammengestellt, präsentiert von Ninja-Nadine Kage und Oliver Gerstenberger, sowie ein Streifzug durch die Mikrowelt des Oderbruchs.

Mit seinem Bericht über die abenteuerliche Welt der Schleimpilze mit dem Titel „Bei Regen erwachen die Monster“ hatte Karlheinz Baumann auch für den Fall eines schlechten Wetters vorgesorgt.

Wieviel Leben und Dynamik in einen so trivialen Objekt wie einem einfachen Seifenhäutchen steckt, demonstrierte Rainer Mehnert mit seiner Videopräsentation auch den Besuchern der Gaststätte Marquardtei: Die psychedelischen Farben und farbenprächtigen Strukturen der Seifenblasen lassen physikalische Gesetzmäßigkeiten der Interferenz von Lichtwellen in einem völlig neuen, künstlerischen Licht erkennen.

Bilder an den Wänden der Künstlergalerie dienen zur Verdeutlichung der Behauptung, daß der Mikrokosmos voller Wunder und Geheimnisse stecke, von dem mikroskopischen Lebewesen des Planktons, den Radiolarien, Diatomeen und Foraminiferen von Sabine Kracht, über die bunten Farben der Kristalle bis zu den Konstruktionsgeheimnissen der Pflanzenzelle. Die Objektivität solcher Mikrofotografien steht in spannendem Kontrast zur hintersinnigen Interpretation der Umwelt in den Bildern und Montagen von Heinrich Fischer, dessen unbedingt sehenswertem Gesamtwerk die gleichnamige Galerie gewidmet ist.

Das Urteil der Besucher, unter denen neben den zahlreichen Fans der Mikrowelten auch erfreulich viele neue Gesichter zu begrüßen waren, lautete überwältigend: „Noch nie gesehen“, „Traumhaft“ und „In der wissenschaftlichen Tiefe faszinierend“!

Für uns Tübinger Mikroskopiker eine gewiss verdiente Anerkennung und ein Anreiz, uns auch im nächsten Jahr wieder zu beteiligen!

Alfons Renz, Tübinger Mikroskopische Gesellschaft e. V.