Ansprechpartner
Michael Franke, Alfons Renz

Thema des Projektes
Der Mikrokosmos im Baggersee Kirchentellinsfurt.

Ziel des Projektes

Im April 2004 wurde anlässlich der Diskussion im Anschluß eines TMG-Vortrags die Idee geboren, einen Baggersee in der Nähe von Tübingen regelmäßig zu besuchen um so das Plankton im Laufe eines Jahres zu beobachten bzw. zu erfassen.

Seit diesem Termin wird bei jedem Wetter regelmäßig am ersten Samstag im Monat das Plankton untersucht.

Wir treffen uns um 8 Uhr im Sommer (bzw. um 8 Uhr 30 im Winter) am Parkplatz des Kirchentellinsfurter Baggersees. Planktonnetze, Mikroskope und Tische werden mitgebracht. Wir gehen durch die Unterführung zum Ponton am Nord-West-Ufer des Baggersees und ziehen dort eine Plankton-Probe, die wir vor Ort frisch untersuchen.

Dazu werden einige Wasserwerte erfasst: Temperatur, Sichttiefe, O2-Gehalt, pH.

Ein besonderes Interesse gilt auch den aquatischen Larven blutsaugender Stechmücken (Culiciden: Anopheles) und ihrer Milbenparasiten (‘Anti-Malaria-Milbe’ Arrenurus ) sowie dem Massenauftreten von Blaualgen im Sommer (Aphanizomenon flosaquae, Spirulina, Microcystis etc.).

5. Dezember 2016: Tümpelgruppe gewinnt Umweltpreis der Tübinger Stadtwerke!

In diesem Jahr haben wir uns zum 2. Mal an der Ausschreibung für den Umweltpreis beteiligt. Und, die große Überraschung, einen Preis erhalten! Dieser wird am Montag, den 5. Dezember um 18 Uhr im Landestheater Tübingen verteilt.

Für freuen uns ganz besonders über diesen Preis der Jury, die unser Projekt aufgrund dessen Einzigartigkeit ausgewählt hat, auch wenn dieses nicht mit einer hohen Befürworter-Stimmenzahl punkten konnte.

Der Kirchentellinsfurter Baggersee ist ja derzeit in einer heftigen Phase verschiedenster Planungen für eine umfassende Neugestaltung, die vor allem auch das mikroskopische und für unser normales Auge unsichtbare Plankton betreffen wird. Als dessen Fürsprecher verstehen wir uns als Tümpelgruppe und nehmen gewissermaßen stellvertretend diesen Preis in Empfang!

Seit mittlerweile 13 Jahren treffen wir uns regelmäßig jeden ersten Samstag im Monat früh morgens am Badesteg des Baggersees und mikroskopieren das Plankton. Dazu bauen wir unsere Mikroskope vor Ort auf, was regelmäßig das Interesse der (zu dieser Morgenstunde noch spärlichen) Gäste auf sich zieht: Mancher ist bass erstaunt, mit welchen Gestalten er das Wasser beim Baden teil!

Interessant ist es für uns auch nach über 150 Mikroskopier-Terminen nicht geworden, weil sich das Plankton in ständig neuer Form und Zusammensetzung präsentiert: Es gibt immer Neues zu entdecken und Veränderungen zu beobachten. Besonders spannend ist die Frage, ob und wann im Hochsommer die gefürchteten Blaualgen auftreten. Auch hier ist die Entwicklung ‘chaotisch’, so dass man keine Vorhersagen machen kann.

Besonders interessant sind auch die Larven der Anopheles-Mücken, die vor gar nicht allzu langer Zeit noch die Malaria im Neckartal übertragen haben: In manchen Jahren gibt es sie in riesiger Zahl, wobei eine kleine parasitische Milbenlarve die Mückenlarve dezimiert und deshalb als ‘Kirchtellinsfurter Anti-Malaria-Milbe’ tituliert wurde. Oder die Zerkarien der Trematodenparasiten der Wasservögel, die eine Badedermatitis hervorrufen können.

Unser ‘Traum’ wäre es, eine Tafel mit Informationen zur Kleinlebewelt am Baggersee aufzustellen, um die Besucher auf die vielfältigen ökologischen Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Dazu würden wir gerne den ersten Samstag im Juli als Tag des Planktons ins Leben rufen und an diesem speziellen Tag unsere Mikroskope den ganzen Tag am See aufbauen, so dass die dann (hoffentlich) zahlreichen Badegäste auch einen Einblick in die Kleinlebewelt erhalten.

Als Kunden der Tübinger Stadtwerke unterstützen wir deren Umwelt-Aktivitäten. Der ‘Hintergedanke’ war vor allem auch, dass das Wasser, das wir über die Stadtwerke beziehen und dessen Reinigung wir ebenfalls den Tübinger Stadtwerken überlassen, zu den wichtigsten Gütern unserer Welt gehört. Erstaunlich sorglos gehen wir damit um. Im festen Vertrauen, dass die Mikroorganismen die Reinigung übernehmen, die Qualität sichern und darüber hinaus noch als Nahrung für die Fische dienen. Da ist es nicht abwegig, sich um den Erhalt, speziell auch der Oberflächen-Kleingewässer, zu kümmern und sich über deren ökologisches Gleichgewicht Gedanken zu machen. Denn die interessante Erfahrung, auch unserer Tümpelgruppe, ist ja: Unter Wasser herrscht Chaos, nicht Gleichgewicht. Wir können daher die Artenzusammensetzung des Planktons nicht vorhersagen. Und wir verlassen uns blind darauf, dass aus diesem Chaos Ordnung entsteht.

A. Renz