o. Prof. emer. Dr. med. Helmut Haselmann Hon.F.R.M.S.

  • Geboren am 4. Oktober 1917 in Mannheim
  • 1939-1945 Studium der Elektrotechnik (Danzig) und Medizin
    (Würzburg u. Heidelberg)
  • 1950 Habilitation (Anatomie) in Heidelberg
  • 1951 Prosektor am dortigen Anatomischen Institut
  • 1954-63 Lehrauftrag “Wissenschaftliche Mikroskopie u. Mikrophotographie”
  • 1956 apl. Professor in Heidelberg
  • 1956-63 Wiss. Mitarbeiter bei CARL ZEISS, Oberkochen
    (Leitung: Dr. K. Michel),
    Durchführung d. Göttinger Kurses “Einführung in die Mikrophotographie” bis 1964
  • 1963 Extraordinariat für Wissenschaftliche Mikroskopie an d. Med. Fakultät d. Univ. Tübingen und 1966 Ernennung zum ordentlichen Professor
  • 1977-1982: Prodekan u. Dekan d. Med. Fakultät (Theor. Med.)
  • 1983 Emeritierung
  • Gestorben am 15. April 2009 in Tübingen

Nach dem Abitur und einem fast 3-jährigem Arbeits- und Militärdienst sowie einem halbjährigen Werk-Praktikum bei Brown, Boveri & Cie. in Mannheim-Käfertal hatte Helmut Haselmann kaum das Studium der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule in Danzig begonnen, als der Zweite Weltkrieg ausbrach und er zum Polenfeldzug und zur Nachrichten-Ersatztruppe eingezogen wurde.

Erst Anfang Februar konnte er schließlich mit dem Studium der Medizin in Heidelberg und Würzburg beginnen, das er im März 1945 mit dem Medizinischen Staatsexamen und Promotion abschloss.

Schon früh übernahm er mit Vorlesungspflichten und wurde mit der Leitung des Präparierkurses betraut. Sein Lehrauftrag “Wissenschaftliche Mikroskopie und Mikrophotographie” lässt seine spezifische Neigung an einer Kombination von Mikroskopie, Technik und Photographie erkennen, einer Orientierung, der er fortan treu blieb. So wurde auch Kurt Michel auf ihn aufmerksam und konnte ihn zum Wechsel in die Firma CARL ZEISS gewinnen.

Haselmann verkörpert damit die schon auf den Firmengründer zurückgehende Tradition, erfahrene Wissenschaftler aus der Forschung in den Entwicklungsprozess neuer mikroskopischer Techniken zu involvieren.

Während seiner Zeit bei Zeiss war er maßgeblich beteiligt an der Weiterentwicklung der mikrophotographischen Aufsetzkamera, der Neuentwicklung des ersten industriell produzierten Fernsehmikroskops, am Bau der serienmäßigen, erheblich erweiterten Ausführung des Abbe’schen Diffraktionsapparats und gab wesentliche Anregung zum Bau des 60x PLANAPO-Immersionsobjektivs, das – gegen alle Befürchtungen und trotz eines astronomischen Preises – als bevorzugtes Spitzenobjektiv nicht nur bei Pathologen eine weite Verbreitung fand.

Wie in Heidelberg, so übernahm er auch in Göttingen die Leitung des von CARL ZEISS regelmäßig zweimal jährlich durchgeführten Kursus “Einführung in die Mikrophotographie” von 1956 bis 1964.

Um diese Förderung einer Kombination von Forschung, Praxis und Lehre ging es auch, als auf Empfehlung des Wissenschaftsrats in Stuttgart ein Institut für Wissenschaftliche Mikroskopie in Tübingen eingerichtet wurde, als dessen Direktor er 1963 berufen wurde.

Die von 1964 bis 1989 halbjährlich abgehaltenen ‚Tübinger Mikroskopierkurse’ haben Generationen von Mikroskopikern zusammengebracht und geprägt. Mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern Prof. Fritz Habermalz und Dipl. phys. Joachim Rienitz, beide später Mitglieder unserer Gesellschaft, konzentrierte sich sein Institut auf die Methoden der Mikrophotographie und die physikalischen Grundlagen der Lichtmikroskopie. Dazu zählten die Weiterentwicklung des Apertometers und eines ‚Miniapertometers’. Ebenso wie der von ihm erfundene Milchglaswürfel kamen diese Instrumente als didaktische Hilfsmittel in seinen Kursen zum Einsatz, zusammen mit einer ganzen Reihe genial einfacher Demonstrationsobjekte, mit denen er die Prinzipien der Bildentstehung und optischen Vergrößerung wirkungsvoll präsentieren konnte und die noch heute ihren Einsatz in unseren Kursen finden.

Mit seiner Emeritierung war auch das Ende seines Instituts besiegelt. Niemand an der Medizinischen Fakultät konnte damals die gewaltige Entwicklung erahnen, die sich aus der Verbindung von digitaler Technik, Fluoreszenz und elektronischer Automatisierung als neue Chance für die physikalisch schon als erschöpfend erforscht erachtete Lichtmikroskopie auftat.

Zumindest die Tradition der Tübinger Mikroskopierkurse wird seit 2003 durch die jährlich abgehaltenen Fortbildungsveranstaltungen der Tübinger Mikroskopischen Gesellschaft wiederbelebt.

Prof. Haselmann wurden zu Lebzeiten viele Ehrungen zuteil, unter anderem die Ernennung zum “Honorary Fellow of the Royal Microscopical Society”, London (1982), die Verleihung der Würde eines “Civis honoris causa congressionis familiarum Universitatis Medicinae Quinqueeclesiensis” durch die Medizinische Universität Pécs, Ungarn, und die Ehrenmitgliedschaft der Tübinger Mikroskopischen Gesellschaft. (2007)

Wir haben mit Professor Haselmann einen hochgeschätzten Berater und Unterstützer in vielen Bereichen der Mikroskopie verloren und trauern um einen stets zuvorkommenden und hilfsbereiten Kollegen. Seine Erfahrung und sein auf eigener Erfahrung beruhendes Wissen um mehr als ein halbes Jahrhundert Mikroskopiegeschichte sind unersetzlich. Die Wissenschaft verliert mit ihm den einzigen Lehrstuhlinhaber einer Professur für wissenschaftliche Mikroskopie an einer deutschen medizinischen Fakultät.

Dr. Alfons Renz, Tübinger Mikroskopische Gesellschaft